Vom Wembley Stadion nach Afrika: Bob Geldof

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Als er im Jahr 1986 alle wichtigen internationalen Künstlern auf der Bühne des Wembley-Stadions vereinte, schrieb er Geschichte. Die Veranstaltung “Live Aid”, ein Monsterkonzert für Afrika auf zwei Kontinenten, wurde zur Legende.

Noch immer macht Bob Geldof Musik. Erst vor kurzem erschien sein neues Album. Gleichzeitig hat er nie aufgehört, Afrika, den fälschlicherweise vergessenen Kontinent, eine Stimme zu geben. Inklusive seiner provokativen Aussagen wie am Alpensymposium in Interlaken vor ein paar Wochen.

Bob Geldof sagt, Europa und die USA machten Afrika zu einem Fall für die Entwicklungshilfe und die Medien transportieren unüberlegt das Bild eines infantilen Pflegekindes, das Hilfe braucht und er fragt, warum Europa ausgerechnet bei Afrika die wirtschaftlichen Chancen nicht erkennt, die sich ihm bieten?

Bob Geldof

Europa bemerkt Afrika sehr wohl. Mehr als das. Das Handelsvolumen ist sehr hoch, aber die realen Austauschverhältnisse sind zu Ungunsten von Afrika.

Nun beginnt China in Afrika Spuren zu Hinterlassen, zum Beispiel bei der Ausbeutung von Rohstoffen. Afrika sollte im Grunde alle Möglichkeiten haben, die Rohstoffe selber zu nutzen – oder zumindest mit der Unterstützung von Demokratien wie den europäischen Ländern oder den USA, sagt Geldof. Da hat er recht. Aber wir sollten nicht vergessen, dass nirgendwo die Korruption so hoch ist wie in Afrika. Das schreckt potenzielle Investoren ab.

Die unbequeme Frage lautet, ob der Kontinent alleine in der Lage wäre, die Bodenschätze auf nachhaltige Weise auszubeuten. Ich persönlich denke, dass es an Know-how und an Kapital fehlt. Das ist nicht zuletzt auch unser Fehler. Die Gesellschaften auf dem Kontinent lagen nach Jahrzehnten oder Jahrhunderten der Kolonialisierung oft am Boden, und wurden schliesslich durch Jahrzehnte der verheerenden Bürgerkriege zerstört – notabene unter den Augen und mit Waffen von Europa und Amerika, den selbsternannten Hütern der Demokratie.

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Bob Geldof wirft denn auch den europäischen und amerikanischen Staaten Heuchelei vor und dass sie Geld in China und im Nahen Osten investieren. Regionen, die weit davon entfernt sind, demokratisch zu sein. Gleichzeitig sorgen Sie sich um Investitionen in Afrika, weil der Kontinent nicht demokratisch sei.

Was ist los mit den europäischen und amerikanischen Investoren? Investitionen führen zu Wirtschaftswachstum und besseren Infrastrukturen. Afrika benötigt also nicht in erster Linie Hilfe, sagt Bob Geldof, und ich denke, er hat recht. Afrika braucht Investitionen. Aber aus meiner Sicht als Wirtschaftswissenschafter braucht Afrika vor allem auch Bildung. Laut Bob Geldof sind die afrikanischen Eliten nicht nur Absolventen internationaler Universitäten, sie schlössen ihre Studien auch mit den höchsten Punktzahlen in Mathematik und Naturwissenschaften ab – weltweit. Mir ist klar, dass die Welt solche Fakten ignoriert und dass es offenbar immer noch einfacher ist, Afrika als Opfer statt als wirtschaftlichen Riesen zu betrachten.

Leider komme ich zum Schluss, dass es mehr als hohe Handelsvolumen, enorme natürliche Ressourcen und die besten Abschlüsse an Universitäten braucht, um die langjährige Depression grosser Teile der afrikanischen Wirtschaft zu überwinden. Gerade die gescholtenen europäischen Länder sind mit ihrer funktionierenden und integrierenden Zivilgesellschaft Beispiel und Vorbild zugleich.

Ihr,
Peter Lorange

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