Der Klimawandel ist wie das Internet. Eines Tages war er da…

Die Business Schule "The Lorange Institute of Business" organisiert regelmässig Tages-Seminare, zum Beispiel das Tages-Seminar über Ökologie und Nachhaltigkeit,.Am Freitag, 27. April, findet unser Tages-Seminar “Grasping opportunities of climate change” statt. In diesem Zusammenhang haben wir unsere Dozentin Margareta Barchan *)  interviewt. Sie unterrichtet Sustainable Business Management bei uns an der Business School in Horgen am 18./19. August.

Der Klimawandel ist wie das Internet. Eines Tages war er da…

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“Der Klimawandel ist wie das Internet”, sagt Paul Dickinson, CEO des Carbon Disclosure Project. “Eines Tages war es da, wuchs mit jedem Jahr und wir mussten lernen, mit ihm Geld zu verdienen.” Teilen Sie seine Meinung?

Der Klimawandel, wie wir ihn heute messen und analysieren, ist ein Phänomen, das stärker und auch zerstörerischer wird. Der Schlüssel liegt also darin, andere Lösungen zu finden in der Produktion, der Konsumation aber auch der Organisation unserer Gesellschaft. Sogar im Klimawandel werden ‘Frühanwender’, englisch ‘early adopters’ solchen Denkens erfolgreich sein, sofern sie kommerziell erfolgreiche Lösungen finden. Damit werden sie auch anderen Betrieben Ansporn sein und verbreitet zu klimafreundlicheren Geschäftsmodellen beitragen. Es ist unbestritten notwendig, finanziell erfolgreiche Geschäftsmodelle zu betreiben, welche die Umwelt nicht schädigen. Ohne diese Kombination ist kein Geschäft nachhaltig – weder finanziell, noch ökologisch.!

Neben dem Klimawandel haben wir andere, zum Beispiel soziale Probleme. Auch diese Herausforderung verlangt doch ein radikales Umdenken in Produktion, Distribution und im Konsum. Wie lauten Ihre Rezepten für Konsumenten und Produzenten?

Konsumenten bilden eine mächtige Gruppierung. Sie kann klare Signale an die Produzenten senden. Sobald Konsumenten Klarheit fordern ob ein Produkt ökologisch nachhaltig produziert wurde – oder es nicht mehr kaufen – können Sie die Produktwelt radikal verändern.

Die Produzenten müssen ihre Gesamten Produktionsprozesse und dabei den ökologischen Fussabdruck im Auge behalten, vom Rohmaterial über Produktion, Distribution aber auch bis zu dem Punkt, wo aus dem Produkt Abfall wird (CO2, Abfallmenge, Wasserverbrauch). Wirklich innovative Lösungen werden oft nur in Zusammenarbeit mit den Zulieferern und anderen Stakeholdern erreicht.

Wie kann ein Produzent kurzfristige finanzielle Notwendigkeit und langfristige Umwelt- und Sozialverträglichkeit unter einen Hut bringen?

Der Schritt hin zu einer vollständigen Nachhaltigkeit ist ein langer Prozess. Es gilt, Technologie, menschliches Verhalten und finanzielle Ressourcen gegeneinander aufzuwiegen. Das dauert gerne schon mal zehn Jahre. Aber: Der Anfang kann in kleinen Schritten vollzogen werden, ist einfacher und kostet weniger als ein grosser Turnaround.

“Sobald Konsumenten Klarheit fordern ob ein Produkt ökologisch nachhaltig produziert wurde – oder es nicht mehr kaufen – können Sie die Produktwelt radikal verändern.”

Bringen wir’s auf den Punkt: der wirtschaftliche Treiber ist Gier, nicht Barmherzigkeit. Brauchen wir nicht auch politische Vorgaben?

Politische Rahmenbedingungen können sinnvoll sein, wenn ein Zeitrahmen eingehalten werden muss. Heute herrscht aber eine wirtschaftlichen Realität, die wenig mit Gier und Barmherzigkeit zu tun hat. Es geht um eine Überlebensstrategie in einem anspruchsvollen Umfeld. Kunden, Angestellte, Medien, NGO und weitere Stakeholders machen gleich viel Druck wie (politisches) Regelwerk. Durch Social Media verbreiten sich zum Beispiel Informationen über ein Produkt in Sekundenschnelle und können einen Brand zerstören.

Geben Sie uns ein oder zwei Beispiel, wo Corporate Social Responsibility und Ökologie mehr als ein trügerisches Feigenblatt sind?

Nehmen wir PUMA. Sie haben als erste Firma überhaupt ihre erste “Umwelt-Erfolgsrechnung” veröffentlicht. Damit schaffen Sie ein Verbindung zwischen dem Ressourcenverbrauch und den wirtschaftlichen Konsequenzen.

Puma, weltbekannt durch sein Logo, besticht als positives Beispiel wenn es um Nachhaltigkeit geht.

Der Report zeigt den negativen Einfluss eines ausgelaugten Ökosystems auf die zukünftige Performance einer Unternehmung und stellt jedem Einfluss auf das Ökosystem während der gesamten Versorgungskette einen Geldwert gegenüber. Dieser Report soll der Firma helfen, nachhaltigere Materialien zu finden und sich auf neue Risiken in diesem Segment vorzubereiten. Und natürlich gilt der Report als Grundlage für ein eine noch stärker auf Fakten beruhende Verbindung zwischen allen Interessenvertretern. Ein markanter Schritt im Bereich des ‘integrated reporting’.

Ein anderes Beispiel: MAX, die Hamburger-Restaurant-Kette in Schweden und Norwegen. Keine wächst so schnell wie sie. Sie haben entschieden, die Klimafrage ernst zu nehmen um etwas für die Welt zu tun und sich von den anderen Fast-Food-Lokalen zu unterscheiden.

Max, die Hamburgerkette aus Schweden, hat sich der Nachhaltigkeit auch im sozialen Bereich verschrieben.

Heute beziehen die MAX-Restaurants Strom aus Windenergie, die Menüs sind so C02-arm als möglich, ein Label informiert die Kunden. Zudem gehören zum Nachhaltigkeitsprogramm   Gesundheitsaspekte und schliesslich will MAX ein fürsorglicher Arbeitgeber sein.

Zu guter Letzt Ihre persönliche Meinung: Die Menschheit wächst. Der grössere Energieverbrauch wird mit neuen AKWs kompensiert. Ressourcen sind auf der Neige. Aber mit all dem wird heute noch Geld verdient. Wer sitzt eigentlich auf dem falschen Dampfer?

Unser Lebensstil ist nicht nachhaltig. Dabei denke ich weniger an die wachsende Weltbevölkerung und den Mangel an natürlichen Ressourcen. Ich denke auch an das Ungleichgewicht zwischen der 1. Welt und den Habenichtsen auf diesem Planeten. Dieses Ungleichgewicht ist der grösste Mangel an Nachhaltigkeit!

Viele kann durch neue Technologien gelöst werden. Die grösste Hürde ist aber der menschliche Faktor: sind die Menschen bereit, neue Werte anzunehmen?

Schliesslich müssen Länder nicht mehr ausschliesslich über ihr BIP taxiert werden, so wie die Firmen nicht nur über die Gesamtheit der Erträge, sondern auch der damit verbundenen Kosten bewertet werden. Warum? Es ist unmöglich, dass diese Umweltkosten der Allgemeinheit aufgebürdet werden. Diese Kosten müssen insgesamt reduziert werden und gleichzeitig müssen Aspekte wie Gesundheit, ganz allgemein die Zufriedenheit des Menschen und weitere sogenannt weiche Faktoren neu bewertet werden.

*) Margareta Barchan
Margareta Barchan, Dozentin an der Business Schule, der Business School "The Lorange Institute of Business", der Business Schule in Horgen bei Zürich, an dem man Execuitve MBA und Executive MSc Programme absolvieren kann.Sie ist erfolgreiche Unternehmerin und Mitbegründerin der Celemi International, einem in Schweden ansässigen Learning-Design Unternehmen.  Sie ist Mitinitiantin von New Angles, einer Beratungsgruppe, die Organisationen unterstützt, nachhaltiger zu wirtschaften. Sie hat ihren Master of Science von der HEC School of Management Group in Paris und je einen Abschluss über ” Consulting and Coaching for Change” an der Oxford University und der Harvard Business School (Advanced Management Program).

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